Bulletin Nr. 4
Schnorcheltour am Great Barrier Reef 1.12.17 – Der Mummelsee ist überall

(Hinweis: um allen Genderanhängern entgegenzukommen, habe ich den Bericht formal so gedschendert, dass ich die entsprechenden Substantive versächlicht und die drei Geschlechter als .xxx angehängt habe)

Heute haben wir das 1. Adventstürchen aufgemacht und siehe da, eine Insel springt uns entgegen mit dem lieblichen Namen Whitesunday Island. Die Insel heißt so, weil Kapitän Cook die Insel am Weißen Sonntag in den 70igern entdeckte. Nein nicht vor 50 Jahren, natürlich 1770. . Draußen in der Südsee und nur mit dem Schnellboot oder Wasserflugzeug zu erreichen. Ein Angebot incl. 45 Minuten Schnorcheln, Lunch on Board, zwei Stunden Beatsch-Chillen und 800m Trial oder Walk (Wanderung) durch Gebüsch zu eine View Point (Schaupunkt). Da in der Nähe dieser Punkte immer öffentliche WC´s gebaut werden wird verhindert, dass aus dem View kein Pfui wird.

Mit 22 gemischtgeschlechtlichen Schnorchen.xxx gings eng besetzt mit einer Rakete von Boot 45 Minuten zur Sache incl. 360 Grad Kreise in 45° Schrägstellung und Zickzackkurven durch die See. Fun pur – lediglich das Lied „Die Hände zum Himmel“ fehlte im Repertoire an Bord. Da liefen dann die heutigen Ballermänner für das natürlich käufliche Foto mit den Händen zum Himmel.
Macht aber in der Gruppe Spaß, entweder einem selber oder weil andere so viel Spaß haben, dass man sich mitfreuen muss. Da sich das Boot ab und zu verdächtig schlingernd über dem Wasser bewegte, wurden auch die Urängste des Bootunfalls im Haigewässer bedient.

Ein starkes Regengebiet über dem Meer umkurvte der sehr geübte, muskulöse und braungebrannte Käpt´n Cool elegant und nach 45 Minuten sahen wir den tatsächlich weisen Strand von Whitsunday Island mit vielen Robben am Ufer. Auch einige Fangboote lagen in der Bucht, bei denen es sich wohl um Robbenfänger handeln musste. Zwei Wasserflugzeuge erinnerten an die ursprünglich hier lebenden Flug Dinos. Beim Näherkommen verwandelten sich die Robben allerdings in Menschen mit schwarzen Quallenschutzanzügen, die Robbenfangboote in Wassertaxis. Den Flugzeugen entstiegen Kunden, die von ihrer Masse her durchaus mit Dinobabys verglichen werden konnten.

Unser Boot warf den Anker in das seichte (nicht vers….) Wasser, wie zwei weitere Boote der gleichen Schnorchler-Company. Ein Boot war nur mit asiatischen Schnorchen.xxx bestückt, da diese immer das Vollprogramm mit 2×45 Minuten Schnorcheln buchen, während den Westlern 1×45 Minuten genügt. Hintergrund: die Westler wollen lieber 2 Stunden am Strand chillen. Nicht umsonst wird der Osten immer wirtschaftsmächtiger und der Westen hechelt nach immer mehr Pausen im Arbeitsleben.

Nach dem Waten durch das glasklare, warme Wasser sammelten die einzelnen Bootsführer ihre 22 Leute ein und begaben sich auf den Walk zum View, also 66 helle und dunklere Entdecke.xxx. Dazu gesellten sich noch ein Teil der Robben und schon fühlte ich den Gangway rund um den Mummelsee an schönen Wochenenden unter meinen Füßen, allerdings verdammt heiß und ich hatte morgens vergessen, die Füße zu waschen. Während ich noch gedanklich mit der Frage des Schmelzpunktes von Käse beschäftigt war, wurde der Walk-Pfad enger und es kamen uns Scharen von View-Rückkehrenden entgegen. Damit war das Thema Schmelzpunkt erledigt. Es galt nicht abgedrängt zu werden, sondern seine Hälfte des Weges durch geschickte seitliche Schulterberührungen zu behaupten, auch wenn dadurch die Sonnencreme abgewaschen wurde.

Am View war dann die Aussichtsplattform so voll, dass nur abwechselnd in die erste Reihe getreten werden konnte, um seine 289 Fotos von der wirklich grandiosen Bucht zu machen. Keine Frage, der Ausblick auf die gesamte Landschaft mit Meer bleibt ein unvergessliches Erlebnis und in Verbindung mit den hier weilenden Massen für immer im Hirn. Ohne die Massen würde ein Kaffee auf der Plattform den Mummelsee emotional schlagen. Mit den Massen, geht der Kaffee um 9 Uhr auf der Seeterrasse des Mummelseehotels tiefer.

In unserer Gruppe war mir hier auf dem View auch ein tätowierter Muskelmann aufgefallen, der wahrscheinlich auf dem Wasser als zweiter Motor gearbeitet hatte. Vom Körperbau sah er nämlich aus wie einer der beiden Bordmotore, bei denen ich mich schon gefragt hatte, warum sie nicht die gleiche Bauart hatten. Die bläulichen Aufschriften am Motorblock wiesen auf eine spanische Marke hin. Auf dem Foto kann man den Motor neben einem eher dünnen helleren Strich sehen, bei dem es sich um Felix handelt und der hat inzwischen auch ein paar Päckchen zu zeigen.

Nach dem optischen Genuss ging es wieder aufs Boot zur Fahrt in die Schnorchelwelt ein paar hundert Meter weiter. Die umfahrene Regenwolke hatte uns wohl beobachtet und lies ihren Freudentränen ein paar Minuten freien Lauf. Jeder war nass und abgekühlt, ideal für den Schnorchelgang.
Die Robbenanzüge und Schnorchelbrillen wurden verteilt und wenige Minuten später lagen alle im Korallenriff und starrten in die Tiefe, in der sich viele farbige Fische und Korallen befanden in direkter Nachbarschaft von ergrauten Korallen-Schönheiten. – Gut dass es das auch bei den Korallen gibt, dachte ich mir und spuckte den nächsten Schluck Salzwasser aus. Die Schnorchel der Firma Käpt´n Cool haben nämlich kein Wasserrückhaltesystem. Das Schnorchelrohr ist vollkommen offen und füllt sich sofort, wenn das Rohr einmal unter Wasser kommt. Logischerweise füllt sich dann auch der Mund. Prost! Der Salzhaushalt stimmte auf jeden Fall wieder.

Nach 50 Minuten waren alle wieder an Bord und entrobbt. Der Chill part konnte mit dem On-Bord-Lunch beginnen, der für 10 Dollar (6,50 Euro) üppig ausfiel. Wahrscheinlich waren am Tag vorher viele seekrank geworden bei den Kurven des Käpt’n ….. Das war natürlich ein Scherz, hoffentlich! Die Kaltspeisen – warm halten geht schlecht auf einem so kleinen Boot – schmeckten wirklich gut, was man auch ringsum hören konnte. Nicht durch Worte, eher durch Schnorchellaute.
Zwei Stunden Strandwandern, WC-Gänge, Chillen, Bräunen, Indianergeburt spielen oder Schwimmen waren angesagt. Dies bei tiefblauem Himmel und stechender Sonne. – War super. Unterbrochen nur von einem etwas größerem Reptil, das sich von hinten an mich geschlichen hatte, während ich auf einem Baumstamm einen Apfel zerlegte. Unklar bleibt, ob ich (1)oder der Apfel (2)das Ziel war oder meine Füße (3), deren Temperatur eigentlich der entsprach, wie in Gourmettempeln nach dem Essen der Käsenachtisch gereicht wird.

Zwei Indische Touristen machten mich schreiend auf das Tier aufmerksam. Da ich der indischen Sprache nicht mächtig bin, waren es nur die etwas kehlkopfartigen hohen Laute der Frau, die mich zum Umdrehen bewegten. Das Urviech hatte sich tatsächlich bis auf einen Meter an alle der drei in Frage kommenden mehr oder weniger essbaren Teile herangepirscht. Mit seiner – man sieht ja so Dinger in manchen Abenteuerfilmen – meterlangen gezackten Zunge hätte es mir längst den Apfel aus der Hand klauen können. Der Schluss lag nahe, dass es sich um ein Käseliebhabe.xxx handeln musste.
Ich vergrößerte den Abstand mit einem beherzten Sprung eines 66-jährigen und schoss drei oder 4 Mal aus der Hüfte, wie man das aus den früheren Western kennt. Dann hatte ich das Reptil im Kasten. (siehe Foto)

Der Rückflug mit dem Boot war nochmal richtig Klasse, da Käpt´n Cool die Südroute fuhr und die geht teilweise übers offene Meer mit entsprechenden Wellen, Schreien und den Händen in den Himmel. Oktoberfest in der Südsee mit Abschlusskreisel mit Tempo 80 km/h vor dem Hafen und einem letzten Abhebegefühl nach einem Zick-Zack-Schlenzer.
Alle zufrieden, niemand gekotzt. Braune und Indianer verlassen erschöpft das Boot, das für einen Tag Südseeromantik der anderen Art geboten hatte. – Ob der Tag den Schildkröten und den anderen dort lebenden Arten gefallen hat? Schlecht zu sagen, die reden ja nicht mit einem.
Auf dem Werbefoto der Schnorchel-Company scheint die Schildkröte eher sagen zu wollen: „Haut ab hier.“ Schade, wir haben sie doch so lieb.
Wilfried, 5.12.17

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